Sternbild Chemischer Ofen

Steckbrief

Lateinischer Name
Fornax
Hemisphäre
Südliche Hemisphäre
Sichtbarkeit
September - Januar
Fläche
398 deg²
Hellster Stern
Dalim (HIP Nummer 20010)
Besonderheit
Mehrere Galaxien, ein planetarischer Nebel
Sternbild Chemischer Ofen

Der Chemische Ofen (lat. Fornax) ist mit seinen lichtschwachen Sternen ein unscheinbares Sternbild, welches aus südlichen Regionen zu beobachten ist. Trotz des unauffälligen Erscheinens enthält der Chemische Ofen spannende Deep-Sky-Objekte zum Entdecken.

Hemisphäre, Sichtbarkeit und Fläche

Das Sternbild Chemischer Ofen liegt in der südlichen Hemisphäre und ist von Mitteleuropa im Herbst und Winter sichtbar. Zu diesen Zeiten steht es tief über den Horizont.

Der Chemische Ofen ist fast vollkommen umgeben von dem Sternbild Eridanus und hat lediglich drei andere Nachbarn. Im Nordosten grenzt es an dem Walfisch. Im Osten befindet sich der Bildhauer und im Süden das Sternbild Phönix.

Im Vergleich zu den anderen 88 Sternbildern ist der Chemische Ofen eine mittelgroße Sternkonstellation. Mit seinen 389 Quadratgrad ordnet es sich auf Rang 41 ein. Dennoch beinhaltet er nur lichtschwache Sterne, die fast alle nicht heller als vierte Größenklasse sind.

Der hellste Stern des Chemischen Ofens ist Dalim (lat. α Fornacis). Er ist ein Doppelsternsystem in etwa 40 Lichtjahren Entfernung.

Die beiden Sterne in diesem Doppelsternsystem sind von unterschiedlichen Farben und haben die Spektralklassen F7 und G7. Somit sind sie bereits mit einem kleinen Teleskop sichtbar.

Besonderheiten im Sternbild

Im Chemischen Ofen befindet sich der nach dem Sternbild benannte Fornax Galaxiehaufen. Er ist mit etwa 60 Millionen Lichtjahren einer der nächstliegenden Galaxiehaufen, die bekannt sind.

Die populärste Galaxie innerhalb des Fornax Galaxiehaufens ist die Balkenspiralgalaxie NGC 1365.

Sie liegt in rund 68 Millionen Lichtjahren Entfernung und hat einen Durchmesser von 200.000 Lichtjahren. Von der Erde aus gesehen dreht sich die Galaxie im Uhrzeigersinn. Eine gesamte Rotation dauert dabei rund 350 Millionen Jahre an.

Balkenspiralgalaxie NGC 1365
Balkenspiralgalaxie NGC 1365, Autor: Dark Energy Survey/DOE/FNAL/DECam/CTIO/NOIRLab/NSF/AURA, Quelle: https://noirlab.edu/public/images/iotw2127a

Ein weiteres spannendes Objekt ist die Fornax-Zwerggalaxie (ESO 356-04 und MCG -06-7-001). Der US-amerikanische Astronom Harlow Shapley entdeckte sie vor weniger als hundert Jahren auf fotografischen Platten. Sie hat eine scheinbare Helligkeit von etwa 9,3 mag und liegt rund 450.000 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Die Lage des Chemischen Ofen abseits der Milchstraße bietet eine gute Voraussetzung für die Beobachtung der Galaxien. Hierfür ist ein Amateurteleskop ausreichend. Lediglich die Fornax-Zwerggalaxie kann nur auf langbelichteten Fotografien wahrgenommen werden.

Neben des Fornax Galaxiehaufens beinhaltet der Chemische Ofen auch einen Planetarischen Nebel, welcher allerdings nur schwach sichtbar ist. Um den Nebel gut erkennen zu können, wird ein Teleskop mittlerer Größe benötigt.

Geschichte

Im Zuge der Erfindung des Teleskops vermaß der französische Astronom Nicolas de Lacaille von Südafrika aus die Positionen von zahlreichen Sternen. Dabei erkannte er einige Bereiche, die noch keinem Sternbild zugeordnet wurden und definierte dementsprechend neue Konstellationen.

Während die 48 Sternbilder der Antike Namen von mythologischen Figuren tragen, verwendete er Bezeichnungen technologischer Neuheiten. Unter ihnen befand sich der Schmelzofen „le Fourneau“, der später als „Fornax Chimiae“ in die Sternkarte aufgenommen wurde.

Die Inspiration für diesen Namen gab ihn sein Schüler Antoine Laurent de Laviosier. Er war begeisterte Naturwissenschaftler und machte später besondere Entdeckungen. Jedoch wurde er trotz seiner wissenschaftlichen Arbeiten im Zuge der französischen Revolution zum Tode verurteilt.